Nicht-invasive Vagusnervstimulation bei Clusterkopfschmerz: Was nVNS und gammaCore zeigen
Die nicht-invasive Vagusnervstimulation (nVNS) ist eine untersuchte Zusatzoption bei Clusterkopfschmerz. Sham-kontrollierte Studien stützen einen Nutzen bei akuten Attacken des episodischen Verlaufs; für den chronischen Verlauf und die Vorbeugung ist die Aussage vorsichtiger. Hier finden Sie die Unterschiede und Fragen für das neurologische Gespräch.
Clusterkopfschmerz kann episodisch oder chronisch verlaufen. Für die Bewertung der nVNS ist diese Unterscheidung entscheidend: Ein Ergebnis zur Behandlung einer Attacke sagt noch nichts über die Vorbeugung weiterer Attacken aus. Die europäische EAN-Leitlinie von 2023 ordnet die Evidenz für nVNS beim episodischen Verlauf günstiger ein als beim chronischen. Dieser Beitrag vertieft den Abschnitt zur Vagusnervstimulation in unserem Überblick über Neurostimulationsverfahren.
Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei akuten Beschwerden kontaktieren Sie bitte Ihre Ärztin oder den Notruf 144. Ob ein Neurostimulationsgerät für Sie geeignet ist und wie es eingesetzt wird, klären Sie mit Ihrer behandelnden Neurologin oder Ihrem behandelnden Neurologen.
Was ist nVNS und was ist über die Wirkung bekannt?
Bei der nicht-invasiven Vagusnervstimulation werden elektrische Impulse mit einem Handgerät von außen über die Haut am Hals abgegeben. Das in den Clusterkopfschmerz-Studien untersuchte Gerät heißt gammaCore. Anders als implantierte Stimulationsverfahren benötigt diese Methode keinen operativen Eingriff. Die Beschreibung des Geräts und des untersuchten Verfahrens findet sich in der ACT1-Studie und der PREVA-Studie.
Eine kleine fMRT-Studie mit 21 gesunden Personen beobachtete nach nVNS veränderte Aktivität und Verbindungen in Netzwerken, die am trigemino-autonomen Reflex beteiligt sind. Sie untersuchte keine Menschen mit Clusterkopfschmerz und beweist daher nicht, über welchen Mechanismus das Gerät bei ihnen wirkt. Möller und Kollegen, 2020
Akutbehandlung: Warum der Verlauf den Befund verändert
Die randomisierten, doppelblinden Studien ACT1 und ACT2 verglichen nVNS bei akuten Attacken mit einem Scheinverfahren. Beide fanden in der gesamten, aus episodischem und chronischem Clusterkopfschmerz gemischten Gruppe keinen klaren Vorteil. In den vorab untersuchten Untergruppen zeigte sich dagegen ein Vorteil beim episodischen, nicht beim chronischen Verlauf. Das ist die gemeinsame Richtung der beiden Studien, aber keine Garantie für das Ansprechen einer einzelnen Person. ACT1, ACT2
In ACT2 waren beim episodischen Verlauf 48 % der behandelten Attacken unter nVNS nach 15 Minuten ohne zusätzliche Akutbehandlung schmerzfrei, gegenüber 6 % unter Scheinbehandlung. Das sind Anteile von Attacken in einer kleinen Untergruppe, keine Anteile von Personen, bei denen das Gerät immer wirkt. Für die Gesamtgruppe lag der entsprechende Unterschied bei 14 % gegenüber 12 % und war statistisch nicht gesichert. Die EAN-Leitlinie bewertet nVNS entsprechend zurückhaltend für den chronischen Clusterkopfschmerz. ACT2
„Wird eine bereits begonnene Attacke schneller schmerzfrei?" ist die Akutfrage von ACT1 und ACT2. „Treten über Wochen weniger Attacken auf?" ist die Vorbeugungsfrage von PREVA. Die Ergebnisse lassen sich nicht zu einer einzigen Erfolgsquote zusammenziehen. ACT1, ACT2, PREVA
Vorbeugung beim chronischen Verlauf: Was PREVA zeigt
Die PREVA-Studie untersuchte nVNS zusätzlich zur üblichen Behandlung bei chronischem Clusterkopfschmerz. Von 97 randomisierten Personen erhielt eine Gruppe die Standardversorgung plus nVNS, die andere nur die Standardversorgung. In der vierwöchigen Vergleichsphase sank die wöchentliche Attackenzahl in der Auswertung der randomisierten Behandlungsgruppen um durchschnittlich 5,9 gegenüber 2,1 Attacken. Die Studie berichtete damit ein Signal für eine zusätzliche vorbeugende Wirkung. Gaul und Kollegen, PREVA
PREVA war offen: Die Teilnehmenden wussten, welche Behandlung sie erhielten; eine Scheinbehandlung gab es nicht. Der kontrollierte Vergleich dauerte nur vier Wochen und stützte sich auf dokumentierte Attacken. Erwartungseffekte und längerfristige Wirksamkeit lassen sich damit nicht zuverlässig ausschließen beziehungsweise beurteilen. Die Autoren benennen diese Grenzen selbst. Das positive PREVA-Ergebnis widerlegt die fehlende Akutwirkung in ACT1 und ACT2 beim chronischen Verlauf nicht, weil es eine andere Frage untersucht. PREVA-Volltext, ACT1, ACT2
Die vorhandenen Studien berichteten keine schwerwiegenden, auf die Behandlung zurückgeführten unerwünschten Ereignisse. Diese Beobachtung aus begrenzten Studienzeiträumen ersetzt keine individuelle Prüfung von Eignung, Begleiterkrankungen oder Gerätehinweisen. PREVA, ACT2
Was Sie in Österreich vor einer Entscheidung klären können
Die Studien belegen keine allgemeine Verfügbarkeit, Verschreibungspraxis oder Kostenübernahme in Österreich. Solche Fragen können sich ändern und gehören für Ihren Fall direkt an die behandelnde Praxis, eine spezialisierte Kopfschmerzambulanz und gegebenenfalls den zuständigen Versicherungsträger. Auch der Unterschied zwischen episodischem und chronischem Verlauf sollte vor jeder Erwartung an die Methode klar sein.
Nehmen Sie Ihren dokumentierten Attackenverlauf und eine Übersicht bisheriger Behandlungen mit. Fragen Sie, welches konkrete Ziel bei Ihnen geprüft würde: Akutwirkung oder weniger Attacken über die Zeit? Lassen Sie sich Eignung, sichere Anwendung, mögliche Gegenanzeigen sowie Zugang und Kosten im Einzelfall erklären. Ein Kopfschmerztagebuch kann dabei helfen, Veränderungen nachvollziehbar zu besprechen.
nVNS ist somit eine begründete Gesprächsoption, besonders wenn es um die Akutbehandlung episodischer Attacken geht. Beim chronischen Verlauf ist die Trennung zwischen fehlendem akutem Sham-Nachweis und dem offenen präventiven PREVA-Signal wesentlich. Die Methode sollte in einen ärztlich begleiteten Behandlungsplan eingeordnet werden. Wie etablierte Vorbeugung grundsätzlich besprochen wird, erläutert unser Beitrag zur Prophylaxe bei Clusterkopfschmerz.
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Quellen
- Silberstein SD et al.: Non-Invasive Vagus Nerve Stimulation for the Acute Treatment of Cluster Headache: ACT1. Headache, 2016. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/27593728/ (Zugriff: 2026-09-30).
- Goadsby PJ et al.: Non-invasive vagus nerve stimulation for the acute treatment of episodic and chronic cluster headache: ACT2. Cephalalgia, 2018. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29231763/ (Zugriff: 2026-09-30).
- Gaul C et al.: Non-invasive vagus nerve stimulation for PREVention and Acute treatment of chronic cluster headache (PREVA): A randomised controlled study. Cephalalgia, 2016. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26391457/ (Zugriff: 2026-09-30).
- May A et al., European Academy of Neurology Task Force: European Academy of Neurology guidelines on the treatment of cluster headache. European Journal of Neurology, 2023. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/37515405/ (Zugriff: 2026-09-30).
- Möller M et al.: Noninvasive vagus nerve stimulation and the trigeminal autonomic reflex: An fMRI study. Neurology, 2020. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32029547/ (Zugriff: 2026-09-30).
Stefan Kohlweg lebt selbst seit seinem 18. Lebensjahr mit Clusterkopfschmerz und hat den ersten österreichischen Verein für Betroffene und Angehörige gegründet. Er vertritt die österreichische Patienten-Community auf europäischen Kopfschmerz-Kongressen.
Die Beiträge des Redaktionsteams entstehen mit KI-Unterstützung und werden vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft und verantwortet.
Dieser Beitrag wurde vom Redaktionsteam des Cluster Kopfschmerzen Verein Österreich erstellt, einer Patientenorganisation von Betroffenen für Betroffene. Veröffentlicht am 30. September 2026. Quellenangaben finden Sie am Ende des Beitrags.
Medizinischer Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose, Beratung oder Behandlung. Bei Beschwerden wenden Sie sich bitte an eine Ärztin oder einen Arzt. Anlaufstellen finden Sie in unserem Ärzteregister. In akuten Krisen: Notruf 144, Telefonseelsorge 142.
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