Von Stefan Kohlweg

Aura bei Clusterkopfschmerz: möglich oder ein Hinweis auf Migräne?

Aura & Clusterkopfschmerz · 5 min Lesezeit
Eine Aura schließt Clusterkopfschmerz nicht aus.

Auch Menschen mit Clusterkopfschmerz berichten vor oder während einer Attacke Aura-Symptome. Ob zugleich eine Migräne vorliegt und wie neue Symptome einzuordnen sind, lässt sich aus diesem einen Merkmal nicht entscheiden.

Die International Headache Society beschreibt Clusterkopfschmerz als eine Form der trigeminoautonomen Kopfschmerzen. In der Klassifikation steht zugleich, dass eine typische Migräne-Aura selten auch im Zusammenhang mit dieser Kopfschmerzgruppe beobachtet werden kann (ICHD-3: trigeminoautonome Kopfschmerzen; de Coo et al. 2018). Die Frage „Aura oder Cluster?“ greift deshalb zu kurz.

Was ist mit Aura gemeint?

Bei der Migräne-Aura beschreibt die ICHD-3 vollständig rückbildungsfähige neurologische Symptome, etwa im Sehen, Fühlen oder Sprechen. Typisch sind eine allmähliche Entwicklung über mindestens fünf Minuten und eine Dauer von 5 bis 60 Minuten pro einzelnem Symptom. Die Klassifikation betrachtet mehrere Merkmale zusammen; eine Sehstörung allein erfüllt die Diagnosekriterien nicht. Eine Aura kann vor dem Kopfschmerz beginnen, in ihn hineinreichen oder erst währenddessen einsetzen (ICHD-3: Migräne mit Aura; Gesundheitsportal Österreich: Migräne).

Aura oder Vorbote?

Müdigkeit oder Konzentrationsprobleme vor einem Kopfschmerz sind nicht automatisch eine Aura. Die ICHD-3 trennt solche Vorboten von der Aura. Unser Bericht zur Fragestunde mit Dr. Wolfgang Klinger erklärt diese Unterscheidung ebenfalls.

Was haben Untersuchungen bei Clusterkopfschmerz gefunden?

In einer niederländischen Untersuchung von 629 auswertbaren Personen mit Clusterkopfschmerz wurden mögliche Aura-Symptome zunächst per Fragebogen erfasst. Wer dabei positiv auffiel, wurde telefonisch anhand von Aura-Kriterien nachbefragt. Bei 44 von 629 Personen (7,0 %) bestätigten die Forschenden typische Aura-Symptome vor oder während einer Clusterattacke. Sie beschrieben das Ergebnis ausdrücklich als Mindestwert innerhalb ihrer untersuchten Gruppe, nicht als Bevölkerungswert (de Coo et al. 2018).

Eine ältere Untersuchung mit 246 Personen aus klinischen und außerklinischen Zugängen berichtete bei 23 % eine typische Migräne-Aura vor Clusterattacken. Dort wurden Clusterdiagnosen nach Kriterien überprüft und zusätzliche Merkmale mit standardisierten Fragebögen erfasst (Schürks et al. 2006).

Warum die Zahlen nicht zusammengerechnet werden dürfen

Die Studien rekrutierten unterschiedliche Gruppen und prüften Aura unterschiedlich. In der Untersuchung von 2018 wurden positive Fragebogenangaben zusätzlich telefonisch bestätigt; 2006 wurden die zusätzlichen Merkmale per Fragebogen erhoben. 7,0 % und 23 % beschreiben daher Ergebnisse dieser beiden Gruppen. Sie ergeben keinen gemeinsamen Durchschnitt und keine Häufigkeit für alle Menschen mit Clusterkopfschmerz.

Bedeutet eine Aura automatisch Migräne?

Nein. Die ICHD-3 nennt Aura ausdrücklich als seltene mögliche Beobachtung bei trigeminoautonomen Kopfschmerzen. Zugleich verlangt sie für Clusterkopfschmerz ein eigenes Attackenmuster: starke einseitige Schmerzen rund um Auge oder Schläfe, unbehandelt meist 15 bis 180 Minuten lang, mit gleichseitigen autonomen Zeichen und/oder deutlicher Unruhe. Für Migräne mit Aura gelten andere, ebenfalls mehrteilige Kriterien. Eine fachliche Einordnung betrachtet den gesamten Verlauf und prüft gegebenenfalls mehrere Diagnosen (ICHD-3: trigeminoautonome Kopfschmerzen; ICHD-3: Clusterkopfschmerz; ICHD-3: Migräne mit Aura).

Für die Unterschiede der Kopfschmerzattacken lesen Sie auch Clusterkopfschmerz oder Migräne: die wichtigsten Unterschiede. Die Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Clusterkopfschmerz und Migräne ordnen weitere überlappende Beschwerden ein.

Was sollten Sie festhalten, und wann brauchen Sie Hilfe?

Notieren Sie Beginn, Dauer und Reihenfolge von Seh-, Gefühls- oder Sprachveränderungen und der Schmerzattacke. Beschreiben Sie möglichst genau, was Sie wahrgenommen haben, ob sich die Symptome vollständig zurückgebildet haben und ob dieses Muster schon früher aufgetreten ist. Ein solches Protokoll erleichtert die ärztliche Einordnung, weil Aura-Symptome im Rückblick oft schwer zeitlich zuzuordnen sind (ICHD-3: Migräne mit Aura).

Für das Gespräch in der Ordination

Bringen Sie Ihre Aufzeichnungen zu Schmerzbeginn und neurologischen Symptomen mit. Fragen Sie, wie das vollständige Attackenmuster eingeordnet wird und welche Abklärung bei einem neuen oder veränderten Verlauf nötig ist.

Wichtig: Neue oder veränderte Kopfschmerzen und ungewohnte neurologische Symptome sollten umgehend ärztlich abgeklärt werden. Bei plötzlich auftretenden Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen zusammen mit Kopfschmerzen oder bei schlagartig extremem Kopfschmerz rufen Sie in Österreich sofort die Rettung unter 144. Warten Sie nicht darauf, ob sich die Beschwerden als „Aura“ erklären lassen (Gesundheitsportal Österreich: Migräne; Gesundheitsportal Österreich: Schlaganfall-Symptome).

Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei akuten Beschwerden kontaktieren Sie bitte Ihre Ärztin oder den Notruf 144.


Wenn Sie Erfahrungen mit anderen Betroffenen teilen möchten, finden Sie unsere Selbsthilfe-Treffen in Österreich.


Quellen

  1. International Headache Society: 3. Trigeminal autonomic cephalalgias. International Classification of Headache Disorders, 3rd edition, 2018. ICHD-3 (Zugriff: 2026-10-14).
  2. International Headache Society: 3.1 Cluster headache. International Classification of Headache Disorders, 3rd edition, 2018. ICHD-3 (Zugriff: 2026-10-14).
  3. International Headache Society: 1.2 Migraine with aura. International Classification of Headache Disorders, 3rd edition, 2018. ICHD-3 (Zugriff: 2026-10-14).
  4. de Coo IF et al.: Aura in Cluster Headache: A Cross-Sectional Study. Headache, 2018-09. PubMed (Zugriff: 2026-10-14).
  5. Schürks M et al.: Cluster headache: clinical presentation, lifestyle features, and medical treatment. Headache, 2006-09. PubMed (Zugriff: 2026-10-14).
  6. Redaktion Gesundheitsportal Österreich: Migräne. Gesundheit.gv.at, 2025-04-03. Gesundheitsportal (Zugriff: 2026-10-14).
  7. Redaktion Gesundheitsportal Österreich: Schlaganfall: Symptome und richtig reagieren. Gesundheit.gv.at, ohne Datum. Gesundheitsportal (Zugriff: 2026-10-14).
Über den Autor
Obmann & Gründer · Cluster Kopfschmerzen Verein Österreich

Stefan Kohlweg lebt selbst seit seinem 18. Lebensjahr mit Clusterkopfschmerz und hat den ersten österreichischen Verein für Betroffene und Angehörige gegründet. Er vertritt die österreichische Patienten-Community auf europäischen Kopfschmerz-Kongressen.

Die Beiträge des Redaktionsteams entstehen mit KI-Unterstützung und werden vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft und verantwortet.

Redaktion & Transparenz

Dieser Beitrag wurde vom Redaktionsteam des Cluster Kopfschmerzen Verein Österreich erstellt, einer Patientenorganisation von Betroffenen für Betroffene. Veröffentlicht am 14. Oktober 2026. Quellenangaben finden Sie am Ende des Beitrags.

Medizinischer Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose, Beratung oder Behandlung. Bei Beschwerden wenden Sie sich bitte an eine Ärztin oder einen Arzt. Anlaufstellen finden Sie in unserem Ärzteregister. In akuten Krisen: Notruf 144, Telefonseelsorge 142.

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