Von Stefan Kohlweg

Clusterkopfschmerz und Migräne: Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Grundlagen & Diagnose · 6 min Lesezeit
Beide tun weh — aber sie sind zwei grundverschiedene Erkrankungen.

Sie lesen hier, woran sich Clusterkopfschmerz und Migräne im Schmerzcharakter, in den Begleitsymptomen und in Dauer und Häufigkeit unterscheiden — und an welchen Punkten beide Formen tatsächlich Gemeinsamkeiten haben. Das hilft, die richtige Frage in der ärztlichen Abklärung zu stellen.

Clusterkopfschmerz und Migräne sind zwei verschiedene Kopfschmerzarten, die beide sehr schmerzhaft sein können. Sie weisen einige Gemeinsamkeiten auf, unterscheiden sich aber in Bezug auf Symptome, Ursachen und Behandlungsansätze. Wer die Abgrenzung kennt, kann im Gespräch mit der Ärztin gezielter beschreiben, was er erlebt — und das ist oft der erste Schritt zur richtigen Diagnose.

Clusterkopfschmerz und Migräne: zwei kurze Einführungen

Clusterkopfschmerzen sind seltene, extrem schmerzhafte Kopfschmerzen, die sich durch starke, stechende Schmerzen auf einer Seite des Kopfes auszeichnen. Sie treten in Clustern oder Serien auf, wobei mehrere Anfälle pro Tag oder Woche auftreten können. Die Schmerzen sind oft so stark, dass sie als einer der schmerzhaftesten Zustände gelten, die ein Mensch erleben kann. Clusterkopfschmerzen betreffen etwa 0,1 % der Bevölkerung.

Migräne ist eine häufige Kopfschmerzart, die von mäßigen bis starken Schmerzen gekennzeichnet ist, die oft von Übelkeit, Erbrechen und Licht- oder Lärmempfindlichkeit begleitet werden. Migräneschmerzen sind in der Regel pulsierend oder pochend und betreffen häufig nur eine Seite des Kopfes. Migräneanfälle können von wenigen Stunden bis zu mehreren Tagen dauern. Schätzungsweise 12 % der Bevölkerung leiden unter Migräne, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer.

Kurzüberblick
  • Clusterkopfschmerz: betrifft etwa 0,1 % der Bevölkerung, Anfälle in Serien.
  • Migräne: betrifft schätzungsweise 12 % der Bevölkerung, Frauen häufiger.
  • Beide sind oft einseitig — die Ähnlichkeit endet aber beim Schmerzcharakter.

Wie sich die beiden Bilder im Detail trennen lassen, ordnet auch der Beitrag Clusterkopfschmerzen vs. Migräne: Was ist der Unterschied? ein.

Unterschiede zwischen Clusterkopfschmerz und Migräne

Schmerzcharakteristik

Der Schmerz bei Clusterkopfschmerzen ist in der Regel sehr intensiv, stechend oder brennend und betrifft eine Seite des Kopfes, oft um das Auge herum. Migräneschmerzen sind hingegen pulsierend oder pochend und betreffen ebenfalls meistens eine Seite des Kopfes.

Begleitsymptome

Clusterkopfschmerzen gehen oft mit einseitigen Begleitsymptomen einher, etwa geröteten oder tränenden Augen, verstopfter Nase, geschwollenen Augenlidern oder Schwitzen im Gesicht. Migräne wird häufig von Übelkeit, Erbrechen und Licht- oder Lärmempfindlichkeit begleitet.

Zur Abgrenzung gemerkt

Ein nützliches Unterscheidungsmerkmal sind die einseitigen vegetativen Begleitsymptome am Auge und in der Nase, die typisch für den Clusterkopfschmerz sind. Übelkeit, Erbrechen sowie ausgeprägte Licht- und Lärmempfindlichkeit weisen dagegen eher auf eine Migräne hin.

Dauer und Häufigkeit der Anfälle

Clusterkopfschmerzanfälle dauern in der Regel zwischen 15 Minuten und 3 Stunden und treten mehrmals täglich während einer Clusterperiode auf. Migräneanfälle können dagegen zwischen 4 und 72 Stunden dauern, wobei die Häufigkeit der Anfälle von Person zu Person variiert.

Welche weiteren Merkmale Ärztinnen und Ärzte zur Einordnung heranziehen, beschreibt der Beitrag Kopfschmerzdiagnose: Unterscheidungsmerkmale von Migräne und Clusterkopfschmerz.

Gemeinsamkeiten zwischen Clusterkopfschmerz und Migräne

Einseitige Schmerzen

Sowohl Clusterkopfschmerzen als auch Migränen betreffen häufig nur eine Seite des Kopfes.

Genetische Faktoren

Es gibt Hinweise darauf, dass sowohl Clusterkopfschmerzen als auch Migränen eine genetische Komponente haben und in Familien gehäuft auftreten können.

Veränderungen im Gehirn

Forschungen haben gezeigt, dass bei beiden Kopfschmerzarten Veränderungen im Gehirn auftreten, die mit Schmerzen und anderen Symptomen in Zusammenhang stehen. Bei Clusterkopfschmerzen ist der Hypothalamus beteiligt — ein Bereich des Gehirns, der für die Regulierung verschiedener Körperfunktionen verantwortlich ist. Bei Migränen spielen Veränderungen in der Aktivität von Nervenzellen und der Durchblutung des Gehirns eine Rolle.

Behandlung

Obwohl die spezifischen Behandlungsansätze für Clusterkopfschmerzen und Migränen unterschiedlich sind, gibt es einige Gemeinsamkeiten in der medikamentösen Behandlung. Triptane etwa, eine Klasse von Medikamenten, die zur Behandlung von Migränen entwickelt wurden, können auch bei der Behandlung von Clusterkopfschmerzen wirksam sein. Sauerstofftherapie kann ebenfalls bei der Behandlung von Clusterkopfschmerzen und bestimmten Migräneformen eingesetzt werden.

Behandlung ist nicht gleich Behandlung

Trotz mancher Überschneidung gilt: Klassische Schmerzmittel, die bei Migräne oft greifen, helfen beim Clusterkopfschmerz in der Attacke meist nicht — die Akutbehandlung läuft hier über andere Wege, etwa Sauerstoff. Welche Optionen das sind, ordnet der Beitrag [Sauerstofftherapie — eine effektive Lösung für Clusterkopfschmerz](/blog/sauerstofftherapie-eine-effektive-losung-fur-clusterkopfschmerz) ein.

Fazit

Clusterkopfschmerzen und Migränen sind zwei verschiedene Kopfschmerzarten, die zwar einige Gemeinsamkeiten aufweisen, sich aber in Bezug auf Symptome, Ursachen und Behandlungsansätze unterscheiden. Die Unterschiede zu kennen ist wichtig, um zu einer angemessenen Diagnose und Behandlung zu kommen.

Wenn Sie unter wiederkehrenden Kopfschmerzen leiden, ist es ratsam, ärztlichen Rat einzuholen, um die richtige Diagnose zu erhalten und einen geeigneten Behandlungsplan zu entwickeln. Auch wenn Clusterkopfschmerzen und Migränen sehr schmerzhaft sein können, gibt es verschiedene medizinische und nichtmedikamentöse Ansätze, die dazu beitragen können, Häufigkeit und Schwere der Anfälle zu reduzieren und die Lebensqualität zu verbessern.

Wichtig: Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Er dient der Orientierung bei der Abgrenzung zweier Kopfschmerzarten. Bei wiederkehrenden oder akuten Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, im Notfall an den Notruf 144.


Unsicher, welche Kopfschmerzart Sie betrifft? Sie müssen das nicht allein einordnen. Schreiben Sie uns über unsere Kontaktseite — wir hören zu und verweisen Sie an die passenden Anlaufstellen.


Über den Autor
Obmann & Gründer · Cluster Kopfschmerzen Verein Österreich

Stefan Kohlweg lebt selbst seit seinem 18. Lebensjahr mit Clusterkopfschmerz und hat den ersten österreichischen Verein für Betroffene und Angehörige gegründet. Er vertritt die österreichische Patienten-Community auf europäischen Kopfschmerz-Kongressen.

Die Beiträge des Redaktionsteams entstehen mit KI-Unterstützung und werden vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft und verantwortet.

Redaktion & Transparenz

Dieser Beitrag wurde vom Redaktionsteam des Cluster Kopfschmerzen Verein Österreich erstellt — einer Patientenorganisation von Betroffenen für Betroffene. Veröffentlicht am 19. März 2023. Quellenangaben finden Sie am Ende des Beitrags.

Medizinischer Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose, Beratung oder Behandlung. Bei Beschwerden wenden Sie sich bitte an eine Ärztin oder einen Arzt — Anlaufstellen finden Sie in unserem Ärzteregister. In akuten Krisen: Notruf 144, Telefonseelsorge 142.

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