Von Stefan Kohlweg

Online-Vortrag zu CGRP-Antikörpertherapien der SHG Kopfweh

Video-Hinweis & Therapie · 4 min Lesezeit
CGRP-Antikörper: ein Therapieprinzip aus der Migräne, das auch beim Cluster-Kopfschmerz diskutiert wird

Die Selbsthilfegruppe Kopfweh (SHG Kopfweh) hat einen Online-Vortrag von Prof. Dr. Dagny Holle-Lee veröffentlicht. Wir fassen die Kernpunkte zusammen und verlinken auf die Aufzeichnung.

Im Rahmen ihrer Aufklärungsarbeit für Betroffene hat die Selbsthilfegruppe Kopfweh (SHG Kopfweh) einen Online-Vortrag organisiert. Gehalten wurde dieser von Prof. Dr. Dagny Holle-Lee, Leiterin des Westdeutschen Kopfschmerzzentrums in Essen. Im Fokus standen die CGRP-Antikörpertherapien, die nicht nur bei Migräne, sondern auch Off-Label bei Cluster-Kopfschmerz eingesetzt werden. Die Aufzeichnung ist auf der Seite der SHG Kopfweh verlinkt.

Worum es im Vortrag ging

Frau Professor Holle-Lee erläuterte die Bedeutung und Funktionsweise des Calcitonin-Gene-Related-Peptide (CGRP) bei Kopfschmerzerkrankungen. CGRP spielt eine zentrale Rolle in der Pathophysiologie der Migräne, was sich in erhöhten CGRP-Spiegeln während der Attacken zeigt. Aus diesen Erkenntnissen entstanden die CGRP-basierten Therapien, die die Behandlung von Migräne und Cluster-Kopfschmerz verändert haben.

Vorgestellt wurden die in Deutschland und Österreich verfügbaren Antikörper — Eptinezumab, Fremanezumab, Galcanezumab und Erenumab. Sie unterscheiden sich in Verabreichungsform und Anwendungsfrequenz, wirken aber alle außerhalb des Gehirns, indem sie die CGRP-Spiegel reduzieren. Direkte Vergleichsstudien zwischen den einzelnen Antikörpern gibt es laut Vortrag nicht; die klinische Erfahrung deutet auf eine ähnliche Wirksamkeit hin. Entscheidend für die Auswahl ist die individuelle Reaktion der jeweiligen Patientin oder des jeweiligen Patienten.

Weitere Punkte aus dem Vortrag
  • Erstattung: In Österreich und Deutschland sind mindestens vier Migränetage pro Monat sowie drei zuvor erfolglos erprobte Vormedikationen Voraussetzung.
  • Schwangerschaft & Stillzeit: Direkte Risiken sind nicht bekannt, vorsorglich wird dennoch eine Therapiepause empfohlen.
  • Kardiovaskuläres Risiko: Die Antikörper selbst erhöhen das Risiko nicht; bei Vorbelastung für ischämische Ereignisse ist dennoch Vorsicht angeraten.
  • Wechsel möglich: Bei ausbleibender Wirkung kann auf einen anderen Antikörper umgestellt werden.
  • Neue Akutmedikation: Lasmiditan und Rimegepant wurden als weitere Optionen vorgestellt.

Abschließend hob Frau Professor Holle-Lee die Bedeutung digitaler Gesundheitsanwendungen hervor, die Betroffene in der Selbstverwaltung ihrer Erkrankung unterstützen können. Wie sich der aktuelle Stand dieser Therapien seit dem Vortrag entwickelt hat, ordnen wir in unserem Beitrag zu den CGRP-Antikörpertherapien — aktueller Stand 2025/2026 ein.

Was hat Migräne mit Cluster-Kopfschmerz zu tun?

Migräne und Cluster-Kopfschmerz sind beides primäre Kopfschmerzerkrankungen, die trotz ihrer Unterschiede einige Berührungspunkte haben — vor allem in den zugrunde liegenden physiologischen Prozessen.

Gemeinsamkeiten:

  • CGRP-Werte: Bei beiden Erkrankungen kommt das Neuropeptid CGRP während der Schmerzphasen in erhöhten Konzentrationen im Blut vor. Es wird angenommen, dass es eine zentrale Rolle in Schmerzentstehung und -aufrechterhaltung spielt.
  • Pathophysiologie: Bei beiden ist das trigeminovaskuläre System beteiligt, das für die Schmerzweiterleitung im Gesichts- und Kopfbereich verantwortlich ist. Seine Aktivierung führt zur Freisetzung entzündlicher Substanzen, einschließlich CGRP.
  • Behandlungsansatz: Wegen der erhöhten CGRP-Spiegel können CGRP-Antikörper potenziell bei beiden Kopfschmerzarten wirken — auch wenn sie ursprünglich für die Migräne entwickelt wurden.

Unterschiede und Herausforderungen:

  • Prävalenz und Forschungsfokus: Migräne tritt häufiger auf als Cluster-Kopfschmerz, weshalb mehr Forschung und Medikamentenentwicklung auf die Migräne ausgerichtet sind. Für Cluster-Betroffene stehen dadurch weniger spezifische Optionen zur Verfügung.
  • Symptomatik und Muster: Migräne zeigt sich oft als pulsierender Schmerz über Stunden bis Tage, während der Cluster-Kopfschmerz durch extrem starke, stechende Schmerzen in kurzen, sehr intensiven Episoden gekennzeichnet ist.
  • Ansprechen auf Behandlungen: Nicht alle bei Migräne wirksamen Therapien helfen in gleichem Maß bei Cluster-Kopfschmerz.

Die Abgrenzung beider Erkrankungen behandeln wir ausführlich im Beitrag Cluster-Kopfschmerz vs. Migräne — was ist der Unterschied?. Einen Überblick über die für Cluster-Betroffene relevanten Optionen finden Sie unter Therapiemöglichkeiten bei Cluster-Kopfschmerz.

Wichtig: Dieser Beitrag fasst einen Vortrag zusammen und ersetzt keine ärztliche Beratung. CGRP-Antikörper werden beim Cluster-Kopfschmerz Off-Label eingesetzt — Auswahl, Eignung und Dosierung gehören in ärztliche Hand. Bei akuten Beschwerden wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder den Notruf 144.


Sie möchten solche Vorträge und Neuigkeiten nicht verpassen? Unser Newsletter bringt Ihnen Vortragshinweise, Forschungsupdates und Vereinsnachrichten direkt ins Postfach.


Über den Autor
Obmann & Gründer · Cluster Kopfschmerzen Verein Österreich

Stefan Kohlweg lebt selbst seit seinem 18. Lebensjahr mit Clusterkopfschmerz und hat den ersten österreichischen Verein für Betroffene und Angehörige gegründet. Er vertritt die österreichische Patienten-Community auf europäischen Kopfschmerz-Kongressen.

Die Beiträge des Redaktionsteams entstehen mit KI-Unterstützung und werden vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft und verantwortet.

Redaktion & Transparenz

Dieser Beitrag wurde vom Redaktionsteam des Cluster Kopfschmerzen Verein Österreich erstellt — einer Patientenorganisation von Betroffenen für Betroffene. Veröffentlicht am 28. November 2023. Quellenangaben finden Sie am Ende des Beitrags.

Medizinischer Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose, Beratung oder Behandlung. Bei Beschwerden wenden Sie sich bitte an eine Ärztin oder einen Arzt — Anlaufstellen finden Sie in unserem Ärzteregister. In akuten Krisen: Notruf 144, Telefonseelsorge 142.

Neu beim Thema? Clusterkopfschmerzen verstehen: der große Überblick — Symptome, Diagnose, Therapie und Anlaufstellen in Österreich.