Von Stefan Kohlweg

Clusterkopfschmerz oder Nasennebenhöhlenentzündung?

Grundlagen & Diagnose · 6 min Lesezeit
Eine verstopfte Nase beweist keine Sinusitis.

Bei Clusterkopfschmerz kann die Nase auf der Schmerzseite während einer kurzen, sehr starken Attacke laufen oder verstopft sein. Eine akute Nasennebenhöhlenentzündung entwickelt sich häufig im Zuge eines Infekts; ihre Diagnose braucht weitere Hinweise auf eine Entzündung. Der Verlauf hilft bei der Einordnung, ersetzt aber keine Untersuchung.

Schmerz um ein Auge, eine verstopfte Nase und Tränenfluss können zunächst nach einem Problem der Nebenhöhlen klingen. Gerade bei wiederkehrenden, sehr starken Schmerzattacken lohnt sich ein genauer Blick auf Beginn, Dauer und Begleitzeichen. Die ICHD-3-Kriterien für Clusterkopfschmerz und die österreichische Gesundheitsinformation zur Sinusitis beschreiben unterschiedliche Muster, die sich trotzdem überschneiden können.

Was spricht für das Muster eines Clusterkopfschmerzes?

Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft beschreibt sehr starke, einseitige Schmerzen um oder über dem Auge beziehungsweise an der Schläfe. Unbehandelt dauert eine typische Attacke 15 bis 180 Minuten. Auf derselben Seite können das Auge tränen oder gerötet sein und die Nase laufen oder verstopft sein. Auch ausgeprägte körperliche Unruhe kann dazugehören. Die Diagnose stützt sich auf das gesamte wiederkehrende Attackenmuster, nicht auf ein einzelnes Nasensymptom (ICHD-3: Clusterkopfschmerz; DMKG: Patientenbroschüre).

Orientierung: auf die Uhr und die Seite achten

Notieren Sie, ob Schmerz und Nasensymptom gleichzeitig beginnen und enden, wie lange eine einzelne Attacke dauert und ob beide auf derselben Seite auftreten. Diese Kombination ist für das ärztliche Gespräch aussagekräftiger als „die Nase ist zu“ allein.

Die laufende Nase während einer Clusterattacke ist ein sogenanntes autonomes Begleitzeichen. Wie sie sich von einer länger anhaltenden Allergie unterscheiden kann, erklärt unser Beitrag zu Clusterkopfschmerz und Heuschnupfen.

Was spricht für eine akute Nasennebenhöhlenentzündung?

Eine akute Sinusitis beginnt laut dem österreichischen Gesundheitsportal oft mit einem Schnupfen oder einem anderen Infekt. Einige Tage später können Gesichts- und Kopfschmerzen hinzukommen, die sich beim Bücken, Husten oder Niesen verstärken. Verstopfte Nase, zähes Nasensekret, eingeschränkter Geruchssinn und gelegentlich Fieber gehören ebenfalls zu den möglichen Beschwerden. Der Verlauf erstreckt sich gewöhnlich über Tage und nicht nur über einzelne kurze Schmerzattacken (Gesundheitsportal Österreich: Sinusitis).

Merkhilfe: ein Symptom reicht nicht

Eine verstopfte Nase oder Druck um das Auge kann bei beiden Erkrankungen vorkommen. Ein vorausgehender Infekt und anhaltende Nasenbeschwerden sind wichtige Hinweise auf Sinusitis; wiederkehrende kurze, sehr starke einseitige Attacken mit gleichseitigen Begleitzeichen lenken den Blick auf Clusterkopfschmerz ([Gesundheitsportal Österreich](https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/hno/nasenerkrankungen/sinusitis.html); [ICHD-3](https://ichd-3.org/de/3-trigemino-autonome-kopfschmerzerkrankungentak/3-1-clusterkopfschmerz/)).

Warum wird Clusterkopfschmerz mit Sinusitis verwechselt?

Der Schmerz kann bei beiden Erkrankungen in der Nähe des Auges liegen. Dazu kommt, dass eine laufende oder verstopfte Nase bei Clusterkopfschmerz ausdrücklich zu den möglichen Diagnosemerkmalen zählt. Die DMKG weist ebenfalls darauf hin, dass Clusterkopfschmerz gelegentlich für eine Nasennebenhöhlenentzündung gehalten wird (ICHD-3: Clusterkopfschmerz; DMKG: Patientenbroschüre).

In einer belgischen Untersuchung von 85 Personen mit Clusterkopfschmerz nannten 23 % eine frühere Fehldiagnose als Sinusitis. Eine klinische Untersuchung von 144 Personen aus Italien und Osteuropa berichtete Sinusitis bei 15 % als Fehldiagnose beim Erstkontakt. Diese Werte beschreiben ausgewählte Gruppen und sind keine Häufigkeit für alle Betroffenen oder für Österreich (Van Alboom et al. 2009; Voiticovschi-Iosob et al. 2014). Mehr zum Weg bis zur richtigen Diagnose lesen Sie in unserem Beitrag über die diagnostische Odyssee.

Wie wird Sinusitis als Ursache von Kopfschmerz geprüft?

Die ICHD-3 verlangt Hinweise auf eine akute Rhinosinusitis aus der klinischen Untersuchung, Nasenspiegelung und/oder Bildgebung. Zusätzlich muss ein Zusammenhang zwischen Entzündung und Kopfschmerz erkennbar sein, etwa ein paralleles Besserwerden oder eine Verschlechterung. Ein auffälliges Bild allein sichert die Ursache des Kopfschmerzes nicht ([ICHD-3: Kopfschmerz bei akuter Rhinosinusitis](https://ichd-3.org/11-headache-or-facial-pain-attributed-to-disorder-of-the-cranium-neck-eyes-ears-nose-sinuses-teeth-mouth-or-other-facial-or-cervical-structure/11-5-headache-attributed-to-disorder-of-the-nose-or-paranasal-sinuses/11-5-1-headache-attributed-to-acute-rhinosinusitis/)).

Beide Erkrankungen können auch unabhängig voneinander vorkommen. Wer eine bestätigte Sinusitis hat, sollte deshalb wiederkehrende kurze Schmerzattacken zusätzlich schildern, statt sie automatisch der Entzündung zuzuordnen. Für die neurologische Abklärung in Österreich finden Sie eine Orientierung in unserem Beitrag zur Clusterkopfschmerz-Diagnostik.

Was sollten Sie vor einem Arzttermin festhalten?

Notieren Sie für jede Schmerzepisode Beginn, Ende, Seite und Schmerzort. Halten Sie fest, ob das Auge auf derselben Seite tränt, ob die Nase nur während der Attacke läuft und ob Sie unruhig werden. Schreiben Sie auch auf, ob zuvor ein Infekt begonnen hat, ob Nasenbeschwerden zwischen den Schmerzepisoden bestehen und ob sich der Schmerz beim Bücken verändert. Diese Angaben knüpfen unmittelbar an die Merkmale an, nach denen bei Clusterkopfschmerz und Sinusitis gefragt wird (ICHD-3: Clusterkopfschmerz; Gesundheitsportal Österreich: Sinusitis).

Für das Gespräch in der Ordination

Bringen Sie Ihre Notizen zum zeitlichen Verlauf mit. Fragen Sie, welche Befunde für eine Entzündung sprechen und ob das Muster wiederkehrender Attacken zusätzlich neurologisch beurteilt werden sollte.

Warnzeichen: Bei anhaltend hohem Fieber, sehr starken Gesichts- oder Kopfschmerzen, Sehstörungen, Schwellung oder Rötung um die Augen, Verwirrtheit, Lichtempfindlichkeit oder Nackensteife sollten Sie umgehend ärztliche Hilfe suchen. Das österreichische Gesundheitsportal nennt diese Zeichen als mögliche Hinweise auf seltene, aber schwere Komplikationen einer Sinusitis (Gesundheitsportal Österreich: Sinusitis). Bei einem medizinischen Notfall rufen Sie in Österreich die Rettung unter 144 (Gesundheitsportal Österreich: Notrufnummern).

Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei akuten Beschwerden kontaktieren Sie bitte Ihre Ärztin oder den Notruf 144.

Fazit: Nasensymptome schließen Clusterkopfschmerz nicht aus. Der Verlauf der Schmerzen und eine Untersuchung helfen zu klären, ob eine akute Entzündung vorliegt, ein Cluster-Muster erkennbar ist oder beides berücksichtigt werden muss.

Wenn Sie sich nach der Abklärung mit anderen Betroffenen austauschen möchten, finden Sie unsere Selbsthilfe-Treffen in Österreich.

Quellen

  1. International Headache Society: 3.1 Clusterkopfschmerz. International Classification of Headache Disorders, 3rd edition, 2018. ICHD-3 (Zugriff: 2026-10-19).
  2. International Headache Society: 11.5.1 Headache attributed to acute rhinosinusitis. International Classification of Headache Disorders, 3rd edition, 2018. ICHD-3 (Zugriff: 2026-10-19).
  3. Redaktion Gesundheitsportal Österreich: Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis). Gesundheit.gv.at, 2021-04-21. Gesundheitsportal (Zugriff: 2026-10-19).
  4. Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft: Onlinebroschüre, Abschnitt Clusterkopfschmerz. DMKG, ohne Datum. DMKG (Zugriff: 2026-10-19).
  5. Van Alboom E et al.: Diagnostic and therapeutic trajectory of cluster headache patients in Flanders. Acta Neurologica Belgica, 2009;109(1):10–17. PubMed (Zugriff: 2026-10-19).
  6. Voiticovschi-Iosob C et al.: Diagnostic and therapeutic errors in cluster headache: a hospital-based study. The Journal of Headache and Pain, 2014;15:56. PubMed (Zugriff: 2026-10-19).
  7. Redaktion Gesundheitsportal Österreich: Notrufnummern und Hotlines. Gesundheit.gv.at, ohne Datum. Gesundheitsportal (Zugriff: 2026-10-19).
Über den Autor
Obmann & Gründer · Cluster Kopfschmerzen Verein Österreich

Stefan Kohlweg lebt selbst seit seinem 18. Lebensjahr mit Clusterkopfschmerz und hat den ersten österreichischen Verein für Betroffene und Angehörige gegründet. Er vertritt die österreichische Patienten-Community auf europäischen Kopfschmerz-Kongressen.

Die Beiträge des Redaktionsteams entstehen mit KI-Unterstützung und werden vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft und verantwortet.

Redaktion & Transparenz

Dieser Beitrag wurde vom Redaktionsteam des Cluster Kopfschmerzen Verein Österreich erstellt, einer Patientenorganisation von Betroffenen für Betroffene. Veröffentlicht am 19. Oktober 2026. Quellenangaben finden Sie am Ende des Beitrags.

Medizinischer Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose, Beratung oder Behandlung. Bei Beschwerden wenden Sie sich bitte an eine Ärztin oder einen Arzt. Anlaufstellen finden Sie in unserem Ärzteregister. In akuten Krisen: Notruf 144, Telefonseelsorge 142.

Neu beim Thema? Clusterkopfschmerzen verstehen: der große Überblick – Symptome, Diagnose, Therapie und Anlaufstellen in Österreich.

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